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Meerjungfrauensyndrom

Medizinisch: Sirenomelie oder auch Symmelie

Tiffany Yorks (1988)

Das "Meerjungfrauensyndrom" ist die harmlos klingende Bezeichnung für ein überwiegend tödliches Fehlbildungssyndrom. Säuglinge, die mit dieser seltenen Mutation auf die Welt kommen, haben abwärts der Hüfte zusammengewachsene Extremitäten. Da sie das optisch an die Vorstellung einer Meerjungfrau heranbringt, zu denen seit Ende des Mittelalters auch die ursprünglich vogelartigen Sirenen zählen, hat sich in der Medizin der Name Sirenomelie durchgesetzt. Diese beschränkt sich jedoch nicht nur auf eine Anomalie der Beine, Füße und des Beckens, sondern bringt auch immer weitere Defizite bei Nieren-, Blasen- und Herzfunktionen mit sich, welche in den meisten Fällen zum Tode führen. Die Lebendgeborenen bedürfen mehrerer Operationen, um lebensfähig zu bleiben. Soweit die Knochenbildung der Beine und Füße sich dafür eignet, versuchen Ärzte bereits frühzeitig die Gliedmaßen zu trennen. Voraussetzung für diese mehrstündige und noch immer außergewöhnliche Operation, ist ein stabiler Zustand des Kindes. Weltweit wurden bisher nur 4 Menschen dieser besonderen Prozedur unterzogen. Die zwei bekanntesten Fälle sind Tiffany Yorks und Milagros Cerrón.

 

Tiffany Yorks

Tiffany Yorks, aus den USA (Florida), ist die ältesten Patientin mit Sirenomelie. Ihre Beine wurden erfolgreich voneinander getrennt und bis zum Alter von 9 Jahren war sie in der Lage selbstständig zu laufen. Nach einer Knieverletzung musste sie auf Gehhilfen zurückgreifen. Heute sitzt sie im Rollstuhl. Ihre Beine entwickelten sich letztlich nicht stark genug und ihre einzige Niere versagte 2006. Seit dem wartet Tiffany auf eine Transplantation und ist auf die Dialyse angewiesen. Seit ihrer Geburt 1988 wurde ihr Leben von Operationen begleitet.

 

Milagros Cerrón

 

Ob Milagros Cerrón ein ähnlicher Leidensweg bevorsteht, ist noch nicht absehbar. Bisher sieht es sehr gut für das Mädchen aus, dessen Name "Wunder" bedeutet und welches 2004 in Peru mit dem Meerjungfrauensyndrom zur Welt kam. Milagros' Beine wurden getrennt als sie dreizehn Monate alt war. Heute kann sie laufen und nimmt Ballettunterricht. Was sie dafür über sich ergehen lassen musste kann man erahnen, wenn man weiß, dass ihr erstes Wort nicht "Mama" oder "Papa" war, sondern "Doktor". Weitere Operationen sind notwendig und geplant, um Milagros' Urogenitalapparat zu rekonstruieren.

 

Shiloh Pepin

   

Die 1999 in den USA (Maine) geborene Shiloh Pepin, konnte sich aufgrund kreuzender Blutbahnen keiner Operation zur Trennung ihrer Beine unterziehen. Ihre Lebenserwartung betrug damals gerade mal 3 Tage, doch das tapfere Mädchen überstand zwei erfolgreiche Nierentransplantationen und besuchte schließlich sogar die Schule. Nur einen Monat nach ihrem Auftritt in der Oprah Winfrey Show als "The only living mermaid", wurde Shiloh Ende Oktober 2009 mit einer Lungenentzündung ins Krankenhaus eingeliefert und verstarb dort im Alter von 10 Jahren.

Kurzfilm über Shiloh Pepin von Firecrackerfilms (2008):

   

Keine geschlechtsspezifische Krankheit

   

Die einzigen Überlebenden dieser Fehlbildung erwecken den Anschein, dass Sirenomelie nur bei Frauen auftritt. Das ist jedoch nicht der Fall. Im November 2006 wurde vor einem Krankenhaus in China ein 3 Tage alter Junge mit dem Meerjungfrauensyndrom ausgesetzt. Eine Ultraschalluntersuchung ließ auf sein Geschlecht schließen, denn wie bei allen Säuglingen waren äußerlich keine Merkmale entwickelt. In seiner Kleidung fand sich nur der Hinweis darauf, dass er am 09.11.2006 geboren wurde. Obwohl sein Zustand zwischenzeitlich stabil war, hörte sein Herz nach 38 Tagen auf zu schlagen.

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