Nach oben

Berühmte Meerjungfrauen

Die kleine Meerjungfrau von Kopenhagen

Die berühmteste Meerjungfrau der Welt sitzt auf einem Granitstein am Rande des Hafens am Langeliniekai in Kopenhagen und schaut sehnsüchtig aufs Meer hinaus. Sie ist aus Bronze, stolze 175 kg schwer und mit ihren 125 cm weitaus kleiner, als viele Touristen erwarten. Finanziert und ermöglicht wurde die Figur durch den Carlsberg Bierbrauer Carl Jacobsen (1842-1914), der 1909 Hans Beck's Ballettaufführung "Die kleine Meerjungfrau" besuchte und von der traurigen Geschichte des dänischen Schriftstellers Hans Christian Andersen, als auch von der Primaballerina Ellen Price (1878-1968) als kleine Meerjungfrau, so angetan war, dass er zu Ehren der Ballettkunst eine Statue in Auftrag gab, dessen Umsetzung sich der Bildhauer Edward Eriksen (1876-1959) annahm. Für das Gesicht der Nixe, stand Ellen Price höchstpersönlich Modell. Weil sich diese jedoch nicht entkleiden mochte, diente Eriksens Ehefrau Eline als Vorlage für den Oberkörper.

In der Bronzeskulptur hat Edward Eriksen den Moment in Ewigkeit gegossen, in dem die Flosse der kleinen Meerjungfrau sich in zwei Beine teilt. Die weltbekannte Pose findet sich auch in Disneys "Arielle, die Meerjungfrau" wieder, kurz bevor ihr Vater zum Ende des Films ein Einsehen hat und ihr die ersehnten Beine gewährt.

Seit der Übergabe an die Stadt Kopenhagen am 24. August 1913 , war das heutige Wahrzeichen einer Vielzahl von entstellenden und zerstörerischen Übergriffen ausgesetzt. 1961 wurde der Fischfrau ein Bikini aufgemalt, zwei Jahre später übergossen sie Unbekannte mit roter Farbe und ein Jahr darauf wurde die Figur geköpft. Jørgen Nash bekannte sich 1997 in seiner Autobiografie zu dieser demolierenden Tat. Der Aktions-Künstler gab an, "die Heilige Jungfrau der dänischen Tourismusindustrie" höchstpersönlich geköpft zu haben, weil er den Rummel um die National-Ikone nicht mehr ertragen konnte.

Der Vandalismus brach nie ab, er ging höchstens in die Wiederholung. So wurde die Meerjungfrau 1976 nochmals Opfer eines Farbangriffs, 1990 versuchte man erneut ihren Kopf zu entfernen und 8 Jahre später saß sie wieder enthauptet auf ihrem Stein. Die zwei Männer, die in den 80ern im Alkoholrausch den rechten Arm der Figur absägten, meldeten sich zumindest am nächsten Tag voller Reue bei der Polizei. Im Jahr 2003 lösten Unbekannte die Statue komplett von ihrem Stein und versenkten sie im Wasser. Zuletzt wurde das Wahrzeichen der dänischen Hauptstadt im März 2007 wieder mit Farbe besprüht. Es ist nicht verwunderlich, dass inzwischen überlegt wird, den Platz der Nixe vom Ufer weiter ins Meer zu verlegen.

Eriksens Original-Gussformen sind bis heute erhalten geblieben und helfen regelmäßig bei der Rekonstruktion des Kunstwerkes. Für die Nachkommen des Bildhauers ist die kleine Nixe zur goldenen Gans geworden. Die Rechte an allen Kopien bringen ihnen jedes Jahr Hunderttausende ein.

© Alle Rechte vorbehalten.

[ Zurück ]